Dass wir zuverlässig auf frische und gesunde Lebensmittel zurückgreifen können, ist keine Selbstverständlichkeit. Ernährungssicherheit bedeutet mehr, als dass Supermärkte voll sind: Es geht um die Verfügbarkeit von Lebensmitteln, um leistbaren Zugang, um stabile Versorgung auch in Krisenzeiten und um Qualität, die Umwelt und Tierwohl respektiert.
In diesem Blogbeitrag werfen wir einen Blick darauf, wie es um die Ernährungssicherheit in Deutschland steht, welche Herausforderungen diese kritische Infrastruktur betreffen und welche Maßnahmen notwendig sind, um unsere Versorgung langfristig zu sichern.
Was ist Ernährungssicherheit?
Ernährungssicherheit heißt, dass alle Menschen immer Zugang zu genügend gesunder, sicherer Nahrung haben, und das nicht nur, wenn alles glatt läuft.
Es geht um die Punkte:
- Qualität & Transparenz: Tierwohl, Ressourcenschonung und Lebensmittelsicherheit müssen gewährleistet sein.
- Verfügbarkeit: Wir brauchen genug Erzeugnisse aus heimischem Anbau und aus verlässlichen Importen.
- Zugang: Lebensmittel müssen leistbar und regional verfügbar sein.
- Kontinuität: Kein Ausweichen bei Krisen, kein drastischer Preis- oder Versorgungsabfall.
Wie sieht unser Selbstversorgungsgrad aus?

Laut Daten des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft liegt der Selbstversorgungsgrad in Deutschland je nach Produktgruppe deutlich auseinander. Während wir bei Milchprodukten, Fleisch und Kartoffeln teilweise über 100 % liegen, decken wir unseren Bedarf an Obst und Gemüse nur zu einem Bruchteil selbst. Insgesamt kann Deutschland etwa 80 % seines Lebensmittelbedarfs aus eigener Erzeugung decken. Diese Zahlen verdeutlichen, dass eine stabile heimische Ernährungsbranche entscheidend dafür ist, dass die Bevölkerung sich auch in Krisenzeiten auf die Versorgung mit Lebensmitteln verlassen kann.
Wie sieht es global aus mit der Ernährungssicherheit?
Betrachten wir die Ernährungssicherheit auf globaler Ebene, so zeigt sich ein in vieler Hinsicht besorgniserregendes Bild. Weltweit hungern 733 Millionen Menschen, insbesondere Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen sind stark betroffen. Weitere Hungertreiber sind die Folgen des Klimawandels und bewaffnete Konflikte.
Allein in Afrika leben mittlerweile über 20 % der Bevölkerung unterernährt. In solchen Ländern geht es täglich um die Frage, ob sie genug Nahrung haben.
Der Blick auf die globale Lage macht deutlich, wie verletzlich Ernährungssysteme weltweit sind. Diese Erkenntnis spiegelt sich auch im Denken vieler Menschen in Deutschland wider. Die Sorge um Versorgungssicherheit ist längst kein fernes Thema mehr und wird zunehmend auch hier als zentrale Zukunftsfrage wahrgenommen, besonders von der jungen Generation.
Junge Menschen in Deutschland machen sich Sorgen um die Ernährungssicherheit
Eine kürzlich durchgeführte Befragung des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des Industrieverbands Agrar (IVA) verdeutlicht, dass rund die Hälfte der jungen Bevölkerung in Deutschland Sorgen um die zukünftige Lebensmittelsicherheit hat. Beim Einkauf von Lebensmitteln spielt für die Mehrheit der Befragten die regionale Herkunft die wichtigste Rolle, noch vor Kriterien wie Geschmack oder Preis. Etwa zwei Drittel wären zudem bereit, für Produkte aus der eigenen Region einen höheren Preis zu zahlen. Hintergrund ist die Sorge vor den Nachteilen einer zunehmenden Abhängigkeit von Importen, zu denen mögliche Versorgungsengpässe in Krisenzeiten, der Rückgang landwirtschaftlicher Betriebe in Deutschland, geringere Einflussmöglichkeiten auf Produktionsbedingungen sowie potenziell steigende Kosten zählen. Auffällig ist, dass gerade jüngere Menschen diese Risiken stärker wahrnehmen als ältere Generationen.
Deutschland ist ein Gunststandort
Das bedeutet, wir haben gute Böden, sowie die passenden klimatischen Bedingungen, um hochwertige landwirtschaftliche Produkte zu erzeugen. Unsere Landwirte arbeiten mit hohen Standards. Sie kümmern sich um das Wohl der Tiere, um die Pflege der Böden und um die Qualität ihrer Produkte. Viele Betriebe übertreffen die europäischen Mindeststandards und gehören in Sachen Tierwohl und Umweltschutz zu den führenden. Darüber hinaus sind die Betriebe mehr als Produktionsstätten, sie prägen die Landschaft, die Kultur und unsere Heimat.

Was geht verloren, wenn die Produktion ins Ausland wandert?

Die Sorgen der Menschen sind nicht unbegründet. Wenn die Produktion von Lebensmitteln zunehmend ins Ausland verlagert wird, geraten Grundlagen unserer Ernährungssicherheit ins Wanken:
- Die inländische Wertschöpfung geht verloren. Regionale Arbeitsplätze in der Landwirtschaft, der Verarbeitung, der Logistik und im Handel verschwinden. Damit sinkt auch die Kaufkraft.
- Die Versorgungssicherheit kann nicht mehr dauerhaft gewährleistet werden. In Zeiten globaler Krisen durch Dürren, politische Spannungen oder Pandemien könnten die Lieferketten gestört oder unterbrochen werden.
- Die Preise für Lebensmittel könnten stark schwanken.
Vorteile und Herausforderungen
Diese hohen Anforderungen haben Vorteile für Verbraucher, Natur und Tiere. Sie sichern Lebensmittelqualität und schaffen Vertrauen.
Gleichzeitig bedeuten sie aber auch hohe Kosten. Investitionen in Ställe, in Technik und in die tägliche Pflege der Tiere können sich summieren und die Betriebe belasten. Wer hochwertige Lebensmittel erzeugt, steht im Wettbewerb mit Importen aus Ländern, in denen niedrigere Standards gelten. Die Folge ist, dass zahlreiche Höfe in Deutschland unter wirtschaftlichem Druck stehen und manche aufgeben. Jedes Jahr verschwinden Betriebe, die Rinder, Schweine oder Geflügel halten. Allein zwischen 2000 und 2023 ist die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland um mehr als 44 % gesunken. Das bedeutet jedoch nicht, dass weniger Fläche bewirtschaftet oder weniger produziert wird. Heute bewirtschaften weniger, aber größere Betriebe dieselbe Menge an landwirtschaftlicher Fläche und erzeugen vergleichbare Produktionsmengen. Jedoch kann eine zunehmende Konzentration auf wenige große Betriebe die Versorgungssicherheit empfindlicher machen, etwa wenn einzelne Großbetriebe durch Pandemien, wie z. B. die Vogelgrippe oder die Schweinepest ausfallen.
Die Herausforderungen betreffen nicht nur die Landwirtschaft selbst, sondern auch Verarbeiter, Logistiker, Einzelhändler und Gastronomiebetriebe. Sie alle kämpfen mit steigenden Energie- und Rohstoffpreisen, höheren Personalkosten und sich wandelnden Konsumgewohnheiten. Die zentrale Frage lautet daher: Wie sichern wir unsere Ernährung langfristig, ohne Qualität und Nachhaltigkeit zu opfern?
Wege zu fairen Rahmenbedingungen und gesicherter Ernährung
Um die Ernährungssicherheit zu gewährleisten, brauchen Landwirte Unterstützung und faire Rahmenbedingungen. Politische Maßnahmen wie der Abbau von Bürokratie entlasten die Betriebe und erleichtern ihren Alltag. Zudem hilft ein geringerer Aufwand an Bürokratie dabei, Ressourcen freizumachen, was sich mittelbar auch auf günstigere Lebensmittelpreise auswirken kann.
Auch die gesamte Ernährungswirtschaft benötigt Stabilität und Planungssicherheit, etwa durch verlässliche Energiepreise, Investitionen in Innovation und regionale Wertschöpfungsketten. Nur wenn alle Glieder der Lebensmittelkette, vom Acker bis zum Teller, gestärkt werden, bleibt das System als Ganzes resilient.
Interviews zu dieser Kampagne
Fazit
Die Ernährungssicherheit in Deutschland ist gewährleistet, aber sie ist nicht selbstverständlich. Wir haben zwar die Voraussetzungen uns dauerhaft mit qualitativ hochwertigen Nahrungsmitteln zu versorgen, aber unsere hohen Standards an Nachhaltigkeit, Tierwohl und Qualität müssen sensibel betrachtet und vorsorglich erhalten werden.
Die gute Nachricht: Jeder von uns kann mit seinem Kaufverhalten dazu beitragen, die Landwirtschaft und Ernährungsbranche zu stärken, Höfe zu erhalten und die Versorgung zu sichern. Ernährungssicherheit ist möglich, wenn Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gemeinsam handeln und regionale Produkte aktiv nachgefragt werden.
Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe: Bevölkerungsschutz (Stand: 10.11.2025)
Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung: Bericht zur Markt- und Versorgungslage
mit Fleisch 2025 (Stand: 10.11.2025)
Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung: Der Selbstversorgungsgrad: Wie ist es um die Versorgung mit Lebensmitteln in Deutschland bestellt? (Stand: 10.11.2025)
Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung: So viel mehr kosten tiergerechte Haltungen (Stand: 10.11.2025)
Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung: Warum gibt es immer weniger landwirtschaftliche Betriebe? (Stand: 10.11.2025)
Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat: Bürokratieabbau (Stand: 10.11.2025)
Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat: Landwirtschaft der Zukunft (Stand: 10.11.2025)
Bundesverband Rind und Schwein e.V.: Höhere Standards, höhere Kosten – Landwirte brauchen faire Wettbewerbs- und Produktionsbedingungen (Stand: 10.11.2025)
Bundeszetrale für politische Bildung: Die vier Säulen der Ernährungssicherheit und die zentrale Bedeutung der Nahrungsmittelpreise (Stand: 10.11.2025)
Ernährungsindustrie: Vertrauen in deutsche Lebensmittel ist hoch (Stand: 10.11.2025)
Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) Hohe Preise bei Energie, Rohstoffen und Vorleistungen belasten Betriebe (Stand: 10.11.2025)
IVA: Ergebnisse Civey-Umfrage Lebensmittelversorgung 2025 (Stand: 10.11.2025)
sinab: Germany: significant increase in organic farms and organically farmed land in the last decade (Stand: 10.11.2025)
Statista: Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe und Bauernhöfe in Deutschland bis 2024 (Stand: 10.11.2025)
Statista: Prävalenz von Unterernährung in Afrika von 2005 bis 2023 (Stand: 10.11.2025)
Welternährung: Welthunger-Index 2025: Zero Hunger rückt in weite Ferne (Stand: 10.11.2025)


