Stell dich doch bitte einmal kurz unseren Lesern vor.
Ich bin Klaus Ludden, Geschäftsführer der pro-t-in GmbH und komme selbst aus dem ländlichen Raum im Emsland. Ich bin auf einem Hof groß geworden, daher kenne ich die Herausforderungen, aber auch die Stärken der Landwirtschaft aus eigener Erfahrung. Heute begleite ich mit pro-t-in Projekte, die den ländlichen Raum stärken und voranbringen. Dazu gehört auch die Regionalmarke „Dat Beste ut Ems‑Vechte“. Ebenfalls bin ich mit meinem Hof Ludden, einem Tagungsort im Dorf Landegge, dem ländlichen Leben eng verbunden. Ich würde sagen, ich bin ein Dorfkind mit der Leidenschaft fürs Land.
Wie ist die Idee zu „Dat Beste ut Ems‑Vechte“ entstanden, und welches Ziel verfolgst du persönlich mit der Initiative? Was macht die Region Ems‑Vechte so besonders, dass sie eine eigene Regionalmarke verdient?
Die Idee zur Stärkung der regionalen Vermarktung ist am Runden Tisch „landwärts“ entstanden. Dies ist ein Kreis von ländlichen Akteuren aus dem Emsland und der Grafschaft Bentheim, der sich mit den aktuellen Themen der ländlichen Entwicklung befasst – Teilnehmende sind Landfrauen, Landvolk, Naturschutzverbände, Erwachsenenbildungseinrichtungen und die Kirchen.
Die Idee ist im Grunde sehr naheliegend: Es gibt hier unglaublich viele gute Produkte und engagierte Betriebe vor Ort, das ist aber für die meisten Menschen nicht erkennbar. Vieles bleibt im Verborgenen oder geht in großen Lieferketten unter.
Dabei hat die Region Ems-Vechte eine Haltung, die sie besonders spannend macht. Die Böden vor Ort waren schon immer schwierig zu bewirtschaften. Aber das hat hier keinen aufgehalten. Man packt an, macht das Beste aus dem, was wir haben, und übernimmt Verantwortung für den eigenen Betrieb wie auch für die Region. Genau diese Mentalität wollen wir sichtbar machen. Dazu gehört auch unsere Sprache. Plattdeutsch ist für viele Menschen hier ein Stück Identität. Man redet ehrlich, direkt und ohne Schnickschnack. Mit „Dat Beste ut Ems-Vechte“ greifen wir das auf. Die Regionalmarke soll die Personen hinter den Produkten zusammenbringen, damit wir als Region gemeinsam unsere Erzeugnisse selbstbewusst und erfolgreich vermarkten können. Damit das gelingen konnte, haben Landkreise, Landvolk, regionale und kirchliche Stiftungen und auch die Raiffeisen Ems-Vechte eG eine Förderung bereitgestellt, um diese Idee entwickeln zu können.
Wie schaffst du es, Landwirte, Verarbeiter und Handelspartner an einen Tisch zu bringen und gemeinsam Strukturen aufzubauen?
Am Ende geht es um gemeinsame Werte. Viele Betriebe wollen ihre Region voranbringen, wollen unabhängig bleiben und fair wirtschaften. Wenn man das klar anspricht, merkt man schnell: Von einer starken Regionalmarke können alle vor Ort profitieren. Unsere Aufgabe ist es dann, diese Menschen zusammenzubringen und zu zeigen, dass Zusammenarbeit kein zusätzlicher Aufwand ist, sondern eine echte Chance. Weiterhin zeigt sich, dass ein Bewusstsein für regional erzeugte Lebensmittel steigt und immer neue Initiativen der regionalen Vermarktung entstehen. So gibt es eine große Offenheit für kurze Wertschöpfungsketten. Als ein wichtiger Partner sind hier die Raiffeisen Warengenossenschaften zu nennen, wie auch Raiffeisen Ems-Vechte. Viele Landwirte fühlen sich der genossenschaftlichen Idee verbunden und nutzen diese Partnerschaft für die Vermarktung oder den Bezug von Produkten und Leistungen. Dieser Vertrauensvorschuss kann genutzt werden, um Mitmacher zu gewinnen und neue Partnerschaften zu schließen.
Das Label „Dat Beste ut Ems‑Vechte“ verspricht Regionalität und Qualität – wie stellst du sicher, dass diese Kriterien eingehalten werden?
Wir haben klare Kriterien definiert, die eingehalten werden müssen, vor allem zur Herkunft und zur Verarbeitung. Wichtig ist uns dabei, dass das System praktikabel bleibt, aber trotzdem verlässlich ist. Das Siegel soll kein Marketinginstrument ohne Inhalt sein, sondern ein echtes Versprechen, auf das sich die Menschen verlassen können. Die beteiligten Partner gehen eine Selbstverpflichtung ein und erklären, dass sie die Kriterien einhalten. Bestehende Zertifikate, die sich bei den Landwirten bereits etabliert haben, werden ebenso als Grundlage genutzt.
Das Projekt betont soziale, ökonomische und ökologische Nachhaltigkeit. Kannst du ein konkretes Beispiel nennen, wie das in der Praxis aussieht?
Ein gutes Beispiel ist die Vermarktung über kurze Wege. Wenn Produkte direkt in der Region bleiben, profitieren die Betriebe wirtschaftlich, die Transportwege werden kürzer und die Menschen wissen, wo ihre Lebensmittel herkommen. Konkret heißt das, der Bauer von nebenan produziert Eier und verkauft sie direkt im regionalen Handel an die Menschen vor Ort. Der Verkauf läuft nicht über Umwege und drei zwischengestellte Unternehmen. Das stärkt nicht nur die Höfe, sondern auch das Vertrauen und die Verbindung zwischen Produzenten und Verbrauchern.
Mit der „Moaltied“-Kochbox gibt es bereits ein erstes Produkt – wie kam es dazu, und wie sind die Reaktionen bisher?
Die Idee war ganz einfach: Es gibt hier so viele gute Produkte – warum bringen wir sie nicht zusammen und machen ein gutes, regionales Angebot daraus? Mit der Kochbox bündeln wir verschiedene regionale Zutaten und zeigen gleichzeitig, was hinter der Marke steckt. Die Rückmeldungen sind sehr positiv, weil die Menschen merken, wie einfach es ist, die regionalen Produkte in ihren Alltag zu bringen.
Welche Vorteile haben teilnehmende Erzeuger*innen und Betriebe, wenn sie sich der Regionalpartnerschaft anschließen?

Die Betriebe erhalten mehr für ihr eigenes Produkt. Durch die regionale Vermarktung sind sie näher an den Menschen vor Ort und unabhängiger von großen Strukturen. Davon profitiert auch die Region insgesamt. Die Wertschöpfung, die hier entsteht, bleibt vor Ort. Hinzu kommt die Sichtbarkeit. Viele regionale Erzeuger leisten sehr gute Arbeit, ohne dass es wahrgenommen wird. Genau das ändern wir, indem wir die Betriebe und ihre Produkte gezielt sichtbar machen
Wie willst du das Bewusstsein der Verbraucher*innen für regionale Produkte weiter stärken – gerade im Wettbewerb mit großen, überregionalen Marken?
Viele Menschen möchten regionale Betriebe unterstützen. Wir wollen es ihnen so einfach wie möglich machen. Gleichzeitig erzählen wir die Geschichten hinter den Produkten. So entsteht ein ganz anderes Bewusstsein für Herkunft und Qualität in der Ems-Vechte-Region. Und man darf nicht vergessen: Regionale Vermarktung mit kurzen Wegen ist auch preiswerter – für die Kunden ebenso wie für die Betriebe.
Was sind die größten Herausforderungen bei der Umsetzung regionaler Wertschöpfungsketten in der heutigen Agrar- und Handelsstruktur?
Der Einstieg ist sicherlich die größte Herausforderung. Es gibt viele bestehende Strukturen und Märkte, die sehr dominant sind. Deshalb braucht es Zeit, Vertrauen und funktionierende Modelle, die zeigen, dass regionale Vermarktung Qualität auch zu guten Preisen möglich macht.
Wenn du fünf Jahre in die Zukunft blickst – wie sieht die Marke „Dat Beste ut Ems‑Vechte“ dann idealerweise aus?
Ich wünsche mir, dass „Dat Beste ut Ems-Vechte“ in der Region fest verankert ist. Dass viele landwirtschaftliche Betriebe den Mehrwert erkennen und darüber ihre Produkte erfolgreich vermarkten.
Gleichzeitig soll die Marke Menschen dazu bewegen, sich stärker mit ihrer Region zu beschäftigen. Sie sollen wissen, welche großartigen Produkte wir hier haben und wer die Menschen dahinter sind. Im besten Fall wird das ganz selbstverständlich: Die Menschen vor Ort greifen bewusst zu regionalen Alternativen. Wir wollen nicht nur eine Marke aufbauen, sondern die regionale Identität stärken. Dann haben wir wirklich „dat Beste“ aus der Ems-Vechte-Region geholt.
Vielen Dank für das Interview!