Bitte stellen Sie sich und Ihren Werdegang doch einmal kurz vor.
Mein Name ist Torsten Stehr. Als gelernter Groß- und Außenhandelskaufmann organisiere ich den Einkauf und Verkauf von Waren zwischen Herstellern und Unternehmen, dadurch bin ich die Schnittstelle zwischen Produktion und Handel. Zu meinen Aufgaben gehört die Beobachtung des Marktes, die Verhandlung zu Lieferbedingungen, der Transport und die Überwachung von Lagerbeständen. Meine berufliche Karriere habe ich bei der Raiffeisen Weser-Elbe eG begonnen und mich auf Getreide und Ölsaatenhandel spezialisiert. Seit 2016 bin ich Abteilungsleiter für Agrarerzeugnisse bei der RAISA eG.
Was genau macht die RAISA eG und warum ist sie ein wichtiger Partner, wenn es um Brotgetreide geht?
Die RAISA eG nimmt in der Ernte das von den Landwirten produzierte Brotgetreide an Ihren 19 Erfassungsstellen auf und lagert es fachgerecht für den späteren Verkauf an die Mühlen für die Mehlherstellung ein. Sie kauft sozusagen das Brotgetreide ein, lagert es und liefert es später an die Mühlen. Sie übernimmt somit die wichtige Funktion der Lagerhaltung und der Finanzierung und ist damit ein wichtiger Partner, sowohl für den Landwirt als auch für die Mühlenindustrie, wenn es um Brotgetreide geht.
Warum ist Getreide mehr als nur ein Rohstoff? Welche Rolle spielt es für unsere Ernährung?
Getreide ist eines unserer wichtigsten Grundrohstoffe, wenn es um die Ernährung geht. Das daraus produzierte Mehl ist ein wichtiger Bestandteil von sehr vielen Lebensmitteln, die wir in unseren Supermärkten im Regal zur täglichen Ernährung wieder finden. Insofern spielt Getreide eine entscheidende Rolle für unsere täglichen Ernährungsgewohnheiten.
Auch die anderen Bestandteile des Getreidekorns werden für die Tierfütterung verwendet und bilden somit eine wichtige Komponente für die Futtermittelproduktion.
Wo ist der Unterschied zwischen Brotgetreide und Futtergetreide? Was macht gutes Brotgetreide aus und wie unterscheidet sich die Qualität, je nachdem wie und wo es angebaut wird?
Der Hauptunterschied zwischen Brotgetreide und Futtergetreide liegt in der Qualität, den Inhaltsstoffen und dem Verwendungszweck. Brotgetreide muss hohe backtechnische Anforderungen erfüllen (hoher Eiweißgehalt), während Futtergetreide primär als nährstoffreiches Futtermittel für Tiere dient und geringere Qualitätsstandards erfüllen muss.
Die Qualität wird durch Sorte, Klima, Boden und Düngung bestimmt (umwelt- und klimabedingt).
Wie unterstützt die RAISA eG Landwirte beim Anbau und der Auswahl von Saatgut, speziell bei Brotgetreide-Sorten?
Die RAISA eG hat für jede Region und damit jeden Landwirt einen ihm zugeteilten Außendienst/Reisenden, der ihn im Anbau in der Auswahl von Saatgut, Düngung und Pflanzenschutz unterstützt.
Welche Vorteile bringt die nahversorgende Struktur der RAISA-Standorte für Getreideanbauer?
Der Landwirt hat dadurch die Möglichkeit, sein angebautes Getreide auf kurzem Weg direkt vom Drescher/Feld zu einer unserer Erfassungsstellen abzuliefern und bekommt direkt bei der Anlieferung die qualitätsrelevanten Parameter seines Getreides mitgeteilt.
Wie kann man sicherstellen, dass trotz Klimawandel weiterhin gute Erträge und Qualitätsgetreide möglich sind?

In unserer Region ist der Klimawandel laut unseren Beobachtungen tendenziell eher zum Vorteil für die Getreideproduktion. Die Qualitäten und auch die Erträge leiden bei uns nicht unter dem Klimawandel. Wenn, dann ist es das Wasser, welches im Frühjahr schnell mal fehlen kann. Hierfür haben sich immer mehr Landwirte eine Beregnung angeschafft.
Welche Rolle spielen digitale Werkzeuge wie Ackerprofi oder akoro bei der Saatplanung, Düngeoptimierung und Dokumentation?
Die Bedeutung der digitalen Werkzeuge wie Ackerprofi und akoro nimmt von Jahr zu Jahr deutlich zu. Sie vereinfachen, ergänzen und beschleunigen viele Prozesse und sind eine gute Ergänzung zu den bewährten Methoden.
Wie geht die RAISA eG mit dem Thema Pflanzenschutz und Umweltverträglichkeit um? Schließen sich Pflanzenschutz und Umweltverträglichkeit generell aus?
Heute zugelassene Pflanzenschutzmittel werden vor der Zulassung lange und sorgfältig auf Umweltverträglichkeit getestet. Gibt es dort Bedenken, wird ein Pflanzenschutzmittel nicht zugelassen. Wir leben und beraten den „integrierten Pflanzenschutz“. Heißt, eine Maßnahme wird nur durchgeführt, wenn fest definierte Schadschwellen überschritten sind. Nein, Pflanzenschutz schließt Umweltverträglichkeit nicht aus.
Wie gelingt es, auch in Zeiten schwankender Preise ein wirtschaftlich tragfähiges Konzept für Landwirte zu bieten?
Die RAISA eG bietet den produzierenden Landwirten täglich ermittelte Verkaufspreise (Erzeugerpreise) an. Der Landwirt hat somit die Möglichkeit, sein Getreide in mehreren Schritten (über das Jahr verteilt) per Vorkontrakt zu jeder Zeit zu verkaufen, wenn ihm der angebotene Preis wirtschaftlich erscheint. Unsere Berater kennen sich im Markt sehr gut aus und geben dem Landwirt einen Hinweis/eine Empfehlung, wenn der Preis aus verschiedenen Gründen interessant für die Vermarktung erscheint. Zusätzlich kann er das geerntete Getreide auch bei uns anliefern und einlagern. Er bleibt Eigentümer der Ware, wenn ihm der Preis nicht interessant genug erscheint und verkauft es zu einem späteren Zeitpunkt. Der moderne Landwirt verkauft sein Getreide heutzutage nicht mehr in der Ernte, sondern über das ganze Jahr verteilt.
Die RAISA eG mit Firmensitz in der Hansestadt Stade versteht sich als Unternehmen der Landwirtschaft und Nahversorger der Region. Sie ist in den Geschäftsfeldern Agrar, Energie, Einzelhandel und Logistik tätig. Mit einem Gruppenumsatz von 475 Mio. €, über 3.000 Mitgliedern und fast 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Unternehmensgruppe zählt sie zu den großen Warengenossenschaften in Deutschland.
Vielen Dank für das Interview!