Wir führen ein Interview zu diesem Thema mit Andreas zur Wickern, Vice President Product Management & Technical Support bei der MIAVIT GmbH. In dieser Rolle verantwortet er die strategische Weiterentwicklung des Produktportfolios sowie die technische Unterstützung über die gesamte Unternehmensgruppe hinweg.
Der diplomiert Agraringenieur verfügt über Expertise im Bereich Tierernährung und verbindet fundiertes Fachwissen mit langjähriger Erfahrung in der Produktentwicklung. Mit seinem hohen Engagement treibt er Innovationen voran und unterstützt die kontinuierliche Weiterentwicklung von Produkten und Prozessen innerhalb der MIAVIT Gruppe.
Wertschöpfungskette: Eine gesunde Nahrungskette beginnt lange bevor das Produkt im Supermarktregal landet. Welche Rolle spielt Tierernährung in dieser Kette?
Eine gesunde Nahrungskette beginnt schon bei der tierischen Ernährung. MIAVIT setzt genau an diesem frühen, aber entscheidenden Punkt der Wertschöpfungskette an.
Als Spezialist für Futtermittelzusatzstoffe leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit und Leistungsfähigkeit von Nutztieren. Unsere Arbeit beginnt dort, wo die Basis für Tiergesundheit gelegt wird: beim Futter.
MIAVIT entwickelt und liefert hochwertige Futtermittelzusatzstoffe, wie Vitamine, Spurenelemente und Aminosäuren, die essenzielle Mikronährstoffe darstellen sowie Spezialprodukte. Damit fördern wir zentrale Stoffwechselprozesse, stärken das Immunsystem und unterstützen die Tiere, ihr genetisches Potenzial auszuschöpfen und stabile Leistungen erbringen zu können. In Kombination mit Makronährstoffen bilden sie die Grundlage einer ausgewogenen, bedarfsgerechten Fütterung. Gesunde Tiere sind wiederum die Voraussetzung für sichere, hochwertige und nachhaltige Lebensmittel. Indem MIAVIT die Tiergesundheit gezielt und präventiv unterstützt, leisten wir einen indirekten, aber zentralen Beitrag zur gesamten Lebensmittelkette – vom Futter über das Tier bis hin zum Endprodukt für den Menschen.
Prävention: MIAVIT bedeutet MIneralstoffe, Aminosäuren und VITamine und setzt stark auf den Slogan „Prevention instead of medication“. Wenn wir über Futtermittelzusatzstoffe sprechen: Wie genau tragen diese dazu bei, den Einsatz von Medikamenten in der Tierhaltung proaktiv zu senken, anstatt Symptome zu bekämpfen?
Der Leitsatz „Prevention instead of medication“ beschreibt den Ansatz von MIAVIT sehr treffend. Unser Ziel ist es, Tiere bereits ernährungsphysiologisch so aufzustellen, dass Krankheiten möglichst gar nicht erst entstehen – und Medikamente nur noch im akuten Krankheitsfall eingesetzt werden müssen. Futtermittelzusatzstoffe wie unsere Spezialprodukte und Mikronährstoffe wirken dabei multifaktoriell. Sie beeinflussen zahlreiche Stoffwechselprozesse gleichzeitig und tragen dazu bei, Tiere in einen optimalen Ernährungs- und Gesundheitszustand zu versetzen. Eine bedarfsgerechte Versorgung mit essenziellen Mikro- und Makronährstoffen ist Voraussetzung dafür, dass der Organismus stabil funktioniert und Belastungen wie Stress, Leistungsanforderungen oder Keimdruck besser bewältigen kann. Ein stabiles Tier benötigt weniger therapeutische Eingriffe – insbesondere weniger Antibiotika.
So bekämpfen wir nicht Symptome, sondern reduzieren Krankheitsrisiken systemisch und nachhaltig.
Darmgesundheit als Schlüssel: Oft wird der Darm als das „Zentrum des Immunsystems“ bezeichnet – das gilt für Menschen wie für Tiere. Welche spezifischen Lösungen gibt es, um die Darmbarriere zu stärken, und welchen direkten Einfluss hat eine stabile Tiergesundheit auf die spätere Lebensmittelsicherheit für uns Endverbraucher?
MIAVIT setzt gezielt auf den Schutz und die aktive Stärkung der Darmbarriere, da der Darm das zentrale Organ für Immunsystem, Nährstoffverwertung, Leistung und allgemeinen Gesundheitszustand des Tieres ist. Eine intakte Darmbarriere wehrt schädliche Einflüsse ab, die die Tiergesundheit gefährden können – etwa Mykotoxine und Endotoxine, die über das Futter aufgenommen werden. Hier kommen z.B. Produkte zum Einsatz, die Mykotoxine binden und detoxifizieren und deren negative Wirkung auf den Darm deutlich reduzieren.
Gleichzeitig stärkt MIAVIT die Darmbarriere aktiv durch funktionelle Zusatzstoffe wie Zink, spezifische Fettsäuren, Probiotika und Präbiotika. Sie unterstützen Darmintegrität, Mikrobiota und Immunabwehr und erhöhen dadurch die Resilienz der Tiere – also ihre Fähigkeit, äußeren Einflüssen und Krankheitskeimen standzuhalten. Ein robustes, gut versorgtes Tier erkrankt seltener, sodass krankheitsauslösende Faktoren frühzeitig abgefangen werden, anstatt später Symptome behandeln zu müssen
Das Ziel ist klar: Medikation wird nur noch im akuten Krankheitsfall notwendig. Das Prinzip „Prevention instead of medication“ senkt nicht nur den Medikamenteneinsatz, sondern reduziert auch das Risiko der Entstehung multiresistenter Keime in der Tierproduktion. Gesunde, leistungsfähige Tiere sind zugleich die Grundlage für ein stabiles und verlässliches Angebot an heimischen Tierprodukten. Sie sichern eine kontinuierliche Versorgung mit hochwertigen tierischen Proteinen und Fetten aus regionaler Produktion und leisten damit einen wichtigen Beitrag zu Lebensmittelsicherheit, Verbrauchervertrauen und nachhaltiger Wertschöpfung entlang der gesamten Nahrungskette.
Biosicherheit und Kontaminationsschutz: Biosicherheit fängt beim Rohstoff an. Wie stellt MIAVIT sicher, dass Futtermittelzusätze selbst keine Risikofaktoren (z. B. durch Salmonellen oder Mykotoxine) in den Stall bringen, und welche Rolle spielen dabei moderne Überwachungstechnologien in Ihrer Produktion?
Biosicherheit beginnt bei MIAVIT bereits bei der Rohstoffauswahl. Ein erheblicher Teil unseres Know-hows und unserer täglichen Arbeit fließt in die sorgfältige Auswahl definierter Rohstoffe von qualifizierten Lieferanten. Dabei verlassen wir uns jedoch nicht allein auf Dokumentationen oder Zertifikate – entscheidend ist die tatsächlich gelieferte Qualität.
Aus diesem Grund werden sämtliche Rohstoffe sowohl in internen Laboren als auch in externen, akkreditierten Laboren geprüft. Analysiert werden dabei nicht nur die gewünschten Gehaltsstoffe, sondern gezielt auch unerwünschte Substanzen wie Mykotoxine, Salmonellen, Schwermetalle oder Dioxine. Diese doppelte Absicherung ist ein zentraler Baustein unseres präventiven Biosicherheitskonzepts.
Die Kontrollen erfolgen risikobasiert. Besonders kritische Rohstoffe werden nach Wareneingang zunächst für die Verarbeitung gesperrt und erst nach erfolgreicher Freigabe für die Produktion zugelassen. So stellen wir sicher, dass potenzielle Risiken erkannt und ausgeschlossen werden, bevor sie überhaupt in den Produktionsprozess gelangen.
Darüber hinaus verfolgt MIAVIT eine systematische Qualitätssicherung entlang der gesamten Produktionskette. Moderne Überwachungsmethoden, strukturierte QM‑Systeme, definierte Prozesskontrollen sowie eigene Analyse‑ und Monitoringlösungen – etwa im Mykotoxinmanagement – stellen sicher, dass Futtermittelzusatzstoffe keine Eintrittspforte für Risiken wie Salmonellen oder Mykotoxine darstellen. Biosicherheit wird damit vorbeugend umgesetzt, nicht erst reaktiv bei auftretenden Problemen.
Selbstverständlich verwendet MIAVIT ausschließlich EU‑zugelassene Zusatzstoffe. Die Einhaltung dieser Standards stellen wir durch eigene Audits, engmaschige interne Kontrollen, regelmäßige Schulungen des Fachpersonals sowie durch die Überwachung externer Kontroll‑ und Zulassungsbehörden sicher. In Summe bedeutet das: MIAVIT betrachtet Biosicherheit ganzheitlich – von der Rohstoffbeschaffung über die Produktion bis zum fertigen Zusatzstoff. So schützen wir Tierbestände präventiv, erhöhen die Sicherheit in der Tierhaltung und leisten einen wichtigen Beitrag zur Lebensmittel- und Verbrauchersicherheit entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Rohstoffe: Woher bezieht MIAVIT seine Rohstoffe und welche Herausforderungen sind damit verbunden?
MIAVIT arbeitet auf allen relevanten internationalen Rohstoffmärkten, da viele funktionelle Komponenten für Futtermittelzusatzstoffe weltweit gewonnen werden und regional nicht in ausreichender Qualität oder Menge verfügbar sind. Diese globale Beschaffung ermöglicht es uns, hochwertige und spezialisierte Rohstoffe einzusetzen, stellt uns aber gleichzeitig vor mehrere Herausforderungen.
Dazu zählen insbesondere geopolitische Abhängigkeiten und politische Rahmenbedingungen, die Einfluss auf Verfügbarkeit, Lieferketten und Preise nehmen können. Hinzu kommen schwankende Rohstoffqualitäten sowie stetig steigende Anforderungen an Nachhaltigkeit, Transparenz und Rückverfolgbarkeit, sowohl seitens der Gesetzgebung als auch der Märkte und Kunden.
Um diesen Herausforderungen zu begegnen, verfolgt MIAVIT eine bewusst diversifizierte Lieferantenstrategie, die Abhängigkeiten reduziert und Versorgungssicherheit gewährleistet. Gleichzeitig beziehen wir unsere Rohstoffe ausschließlich von zertifizierten Lieferanten, die nach anerkannten Standards wie FAMI‑QS und GMP+ arbeiten. Diese Rahmenbedingungen erfordern ein hohes Maß an Know-how, Präzision und ein starkes Qualitätsmanagement. Nur durch strukturierte Prozesse, klare Standards und kontinuierliche Kontrollen ist es möglich, trotz globaler Komplexität gleichbleibend sichere, wirksame und zuverlässige Produkte für die Tierernährung herzustellen.
Resistenzmanagement: Die Diskussion um Antibiotikaresistenzen ist aktueller denn je. Inwiefern können innovative Futterkonzepte hier unterstützen?
Innovative Fütterungskonzepte leisten einen wesentlichen Beitrag zum Resistenzmanagement, indem sie Krankheitsrisiken von vornherein reduzieren und so den Bedarf an Antibiotika senken. MIAVIT verfolgt dabei konsequent den Ansatz „Prevention instead of medication“: Ziel ist es, die Eigenrobustheit und Resilienz der Tiere gezielt über die Ernährung zu stärken.
Durch den gezielten Einsatz funktioneller Futtermittelzusatzstoffe werden Immunsystem, Stoffwechsel und Darmgesundheit stabilisiert. Ein gesunder Darm als zentrales Abwehrorgan senkt die Anfälligkeit für Infektionen deutlich, sodass antibiotische Behandlungen im Idealfall nur noch im akuten Krankheitsfall notwendig sind.
Welche Innovationen sind im Bereich Fütterung gerade besonders spannend?
Kombinierte Fütterungsstrategien, neue Formulierungs‑ und Verkapselungstechnologien sowie präzisere, bedarfsgerechte Nährstoffkonzepte gewinnen zunehmend an Bedeutung. Gerade die Verkapselung von Mikronährstoffen ermöglicht eine präzise Anwendung. So gelangen die Nährstoffe dahin, wo sie benötigt werden und nutzen der Tiergesundheit ohne Wirkungsverlust. Diese Innovationen ermöglichen eine noch gezieltere Unterstützung der Tiergesundheit und tragen dazu bei, den Antibiotikaeinsatz nachhaltig zu reduzieren.
Damit leisten innovative Fütterungskonzepte einen wichtigen Beitrag zur Vermeidung von Antibiotikaresistenzen – zum Nutzen von Tiergesundheit, Lebensmittelsicherheit und öffentlicher Gesundheit entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Nachhaltigkeit und Effizienz: Ein gesundes Tier verwertet Futter effizienter. Können wir Tiergesundheit durch Prävention auch als ökologischen Faktor betrachten? Weniger Stickstoff- und Phosphatausscheidungen durch optimierte Zusätze – wie groß ist dieser Hebel für die Landwirtschaft der Zukunft?
Ein gesundes Tier verwertet Futter deutlich effizienter – und genau darin liegt ein oft unterschätzter ökologischer Hebel. Eine gute Tiergesundheit führt zu einer besseren Futterverwertung, was bedeutet: weniger Futtereinsatz bei gleicher Leistung, geringere Stickstoff- und Phosphorausscheidungen und damit eine messbar geringere Umweltbelastung pro Kilogramm erzeugtem Lebensmittel.
Gezielt eingesetzte Futtermittelzusatzstoffe unterstützen diese Effizienz zusätzlich. Etablierte Beispiele sind Phytasen, die den in Pflanzen gebundenen Phosphor freisetzen sowie NSP-Enzyme die Polysaccharide in Pflanzen für das Tier zugänglich machen. Sie optimieren die Nährstoffverfügbarkeit und tragen dazu bei, Ressourcen zu schonen. Moderne Produkt‑ und Formulierungstechnologien, etwa verkapselte Spurenelemente, ermöglichen es, Wirkstoffe präziser einzusetzen: geringere Einsatzmengen, bessere Verwertung und weniger Verluste über die Ausscheidung.
Auch der Verzicht auf Antibiotikagaben wirkt hier wieder: Eine stabile Darmmikroflora wird erhalten, Verdauung und Nährstoffaufnahme bleiben effizient – ein weiterer Faktor für eine nachhaltige Futterverwertung. Hinzu kommt, dass geringere Krankheitsraten und eine niedrigere Sterblichkeit Ressourcenverluste vermeiden und die Produktion insgesamt effizienter machen.
Damit zeigt sich klar: Präventive Tiergesundheit ist nicht nur ein ethischer Ansatz, sondern ein zentraler ökologischer Faktor. Sie verbindet Tierwohl, Effizienz und Umweltschutz und wird zu einem wichtigen Baustein für eine nachhaltige Landwirtschaft der Zukunft.
Transparenz für den Verbraucher: Die Öffentlichkeit fordert immer mehr Transparenz. Wie erklären Sie einem kritischen Verbraucher, dass „Zusatzstoffe“ im Futter nichts mit künstlicher Manipulation zu tun haben, sondern ein essenzieller Baustein für den Schutz unserer Nahrungsmittelkette sind?
Wenn Verbraucher den Begriff „Zusatzstoffe“ hören, denken viele zunächst an künstliche Manipulation. Dabei handelt es sich in der Tierernährung – ähnlich wie beim Menschen – im Kern um Nahrungsergänzung. Auch Tiere haben einen täglichen Bedarf an essenziellen Nährstoffen, der über natürliche Futtermittel allein nicht vollständig gedeckt werden kann. Genau hier setzen Futtermittelzusatzstoffe an.
Unter Zusatzstoffen verstehen wir essenzielle Nahrungsbestandteile und funktionelle Komponenten, die eine vorgegebene Grundrezeptur gezielt ergänzen. Dazu zählen Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente oder Stoffe, die die Verdaulichkeit fördern. Sie helfen, ernährungsphysiologische Lücken zu schließen und eine art- und bedarfsgerechte Ernährung sicherzustellen – abgestimmt auf Tierart, Alter und Leistungsphase.
Gerade im Futtermittelzusatzstoff‑Bereich gilt eine klare Definition: Zusatzstoffe müssen eine nachgewiesene Wirkung haben, sind gesetzlich streng geregelt und werden umfassend geprüft. Ihr Einsatz dient nicht der Leistungssteigerung, sondern der Gesunderhaltung der Tiere. Denn ein gesundes Tier ist nicht nur leistungsfähig, sondern auch widerstandsfähiger und benötigt keine medikamentösen Eingriffe. Aus Verbrauchersicht ist das entscheidend: Gesunde Tiere sind die Grundlage einer sicheren und stabilen Nahrungsmittelkette. Futtermittelzusatzstoffe tragen dazu bei, Tiergesundheit präventiv zu unterstützen, Risiken zu minimieren und die Qualität tierischer Lebensmittel langfristig zu sichern. Transparenz heißt hier, klar zu machen: Zusatzstoffe sind kein künstlicher Eingriff, sondern ein notwendiger, verantwortungsvoller Baustein moderner, nachhaltiger Tierernährung.
Vielen Dank für das Interview!