Landwirtschaft Wertschöpfung

Tiere im Oldenburger Münsterland. Warum gibt es so viele?

Denken wir an das Oldenburger Münsterland (OM), so sehen wir tierhaltende Landwirt:innen und fleischproduzierende Betriebe vor dem inneren Auge. Und das nicht ohne Grund, denn im Deutschlandvergleich leben die meisten Schweine1 und das meiste Geflügel2 in Niedersachsen. Aber warum gibt es so viele Tiere im Oldenburger Münsterland? 

Die Antwort auf diese Frage ist vielfältig und lässt sich nicht auf einen einzigen Faktor reduzieren.

Keine fruchtbaren Böden in Niedersachsen?

Agrarstrukturkarte Tiere im Oldenburger Münsterland

Einer der Gründe liegt in den natürlichen Gegebenheiten des Oldenburger Münsterlandes. Die Böden sind relativ nährstoffarm, weswegen sie sich wenig für den Anbau von Lebensmitteln eignen. Im direkten Vergleich findet man in der Hildesheimer Börde äußerst fruchtbare Böden, welche sich für die Lebensmittelproduktion hervorragend eignen.3 

Diese beiden niedersächsischen Regionen könnten, auf den Boden bezogen, nicht unterschiedlicher sein.  

Mehr Informationen zu dem Aufbau der Landwirtschaft in Deutschland haben wir unter: https://landschafftwerte.de/wertschoepfung/landwirtschaft/ zusammengefasst.

Zudem gibt es im Oldenburger Münsterland umfangreiche Moorgebiete, welche für den Ackerbau kaum geeignet sind. Für den Anbau von Futtermitteln und die Bewirtschaftung mit Tieren eignen sich diese Gebiete hingegen hervorragend.4

Ein weiterer Grund liegt in der historischen Entwicklung dieser Region. Das Oldenburger Münsterland ist seit langer Zeit eine ländliche Gegend, die von Landwirtschaft geprägt wird. Aufgrund der guten Infrastruktur und der Nähe zu städtischen Gebieten wie Oldenburg und Osnabrück ist es den Landwirt:innen möglich, ihre Produkte innerhalb Deutschlands und über die Landesgrenzen hinaus zu vermarkten.5 Genossenschaften, Futtermittelhersteller, Molkereien und Schlachthöfe siedelten sich in der Region an und unterstützen seitdem die Landwirt:innen bei der Bewirtschaftung der Höfe.6

Landwirtschaft – Eine Frage der Tradition? 

Es ist traditionell bedingt, dass viele landwirtschaftliche Betriebe über Generationen hinweg geführt werden. Die Weitergabe des Betriebes von Eltern auf Kinder hat dazu beigetragen, dass die Anzahl der Höfe erhalten bleibt.

Landwirtschaft Tiere im Oldenburger Münsterland

Jedoch kann in den vergangenen Jahren ein Trend in eine andere Richtung beobachtet werden. Aufgrund von gestiegenen Kosten müssen Landwirt:innen ihre Ställe leer stehen lassen bzw. aufgeben. Hinzu kommt, dass Landwirt:innen den Umbau der Tierhaltung, den die Gesellschaft fordert, nicht ohne Planungssicherheit umsetzen können.7 Die Gründe und Auswirkungen des Strukturwandels haben wir in dem Beitrag „Global, Regional, Lebensmittelknappheit – Wie passt das zusammen?“ bereits betrachtet: https://landschafftwerte.de/global-regional-lebensmittelknappheit-wie-passt-das-zusammen/

Welchen Einfluss nimmt die Politik für Tiere im Oldenburger Münsterland?

Auch die Politik hat einen Einfluss auf die Entwicklung der Landwirtschaft. So können Landwit:innen in Deutschland seit den 1950er-Jahren von verschiedenen Subventionen und Förderprogrammen profitieren.8

Im Oldenburger Münsterland versuchen die Landwirt:innen mit diesen Geldern, die Tierbestände zu erhalten und ihre Stallungen zu modernisieren.


Aufgrund der oben genannten Faktoren hat sich im Oldenburger Münsterland eine intensive Tierhaltung entwickelt. Die Landwirt:innen in der Region haben sich auf die Tierhaltung spezialisiert und tragen so zur Identität und wirtschaftlichen Entwicklung des Oldenburger Münsterlandes bei. 

Dabei leben die Landwirt:innen teilweise seit Generationen auf den Betrieben und entwickeln ihre Stallungen im Sinne des Tierwohls immer weiter. Das Oldenburger Münsterland ist ein Beispiel dafür, wie traditionelle Werte mit modernem Denken verbunden werden können. Insgesamt zeigt das Beispiel des oldenburgischen Münsterlands deutlich, wie eng die Entwicklung einer Region mit der Landwirtschaft verbunden ist und wie wichtig es daher ist, diese zu fördern und zu unterstützen.


1 Thünen: Steckbriefe zur Tierhaltung in Deutschland: Ferkelerzeugung und Schweinemast (Stand: 29.06.2023)

2 Statista: Geflügelbestand in Deutschland nach Bundesländern im Jahr 2016 (Stand: 29.06.2023)

3 UBA: Die Böden Deutschlands (Stand: 07.07.2023)

4 100 Nationalatlas Bundesrepublik Deutschland – Unternehmen und Märkte – Das Oldenburger Münsterland – Silicon Valley der Agrartechnologie (Stand: 29.06.2023)

5 BpB: Agrarische Intensivgebiete (Stand: 29.06.2023)

6 BWGv: Landwirtschaftliche Genossenschaften (Stand: 29.06.2023)

7 BLE: Warum gibt es immer weniger landwirtschaftliche Betriebe? (Stand: 29.06.2023)

8 BMEL: Geschichte der Gemeinsamen Agrarpolitik (Stand: 29.06.2023)

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