Viehhandel und Logistik Verein

Lebensmittelverschwendung

Mythos – Lebensmittelverschwendung ist nicht vermeidbar?

Lebensmittelverschwendung entsteht über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg. 

Die Primärproduktion hat an der Gesamtabfallmenge einen Anteil von 2 Prozent (0,2 Mio. Tonnen). Darüber hinaus werden überschüssige und verdorbene Lebensmittel jedoch auch betriebsintern verwertet – und sind in solchen Fällen in o. g. entsorgungsseitig erhobenen Zahlen nicht berücksichtigt. Bei der Verarbeitung entstehen 15 Prozent (1,6 Mio. Tonnen) der Lebensmittelabfälle. Im Handel fallen 7 Prozent (0,8 Mio. Tonnen) der Abfälle an, bei der Außer-Haus-Verpflegung sind es 17 Prozent (1,9 Mio. Tonnen). Der Großteil der Lebensmittelabfälle entsteht mit 59 Prozent (6,5 Mio. Tonnen) in privaten Haushalten. Verbraucher:innen werfen demnach etwa 78 Kilogramm Lebensmittel im Jahr weg, darin sind allerdings auch Unvermeidbares wie z. B. Nuss- und Obstschalen, Kaffeesatz, Knochen und Verdorbenes enthalten. Laut der Allgemeinen Fleischerzeitung ist der Anteil an Fleisch- und Wurstwaren im unteren einstelligen Bereich, wenn es um Lebensmittelverschwendung geht.

Sie entsteht durch diverse Gründe. Zum Beispiel werden bereits produzierte Lebensmittel aufgrund von Überproduktion oder Schönheitsfehlern entsorgt.

Ebenso kommt es aufgrund von zu großen Einkaufsmengen oder falscher Lagerung der Lebensmittel zu einer Lebensmittelverschwendung.

Lebensmittelverschwendung

Weltweit werden nach der Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) ein Drittel der produzierten Lebensmittel weggeworfen. Diese Menge an Müll macht acht Prozent der Treibhausgase aus. Zu diesen Emissionen gehören nicht nur die CO2-Emissionen, sondern auch die Treibhausgase Lachgas (N2O) und Methan (CH4). Lachgas entsteht bei der Abwasserbehandlung, bei der Kunststoffherstellung und bei der Müllverbrennung. Methan hingegen entsteht durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe und durch vergammelten Abfall.

Folgen der Lebensmittelverschwendung

Lebensmittelverschwendung

Besonders die Tatsache, dass die Treibhausgase aus der Produktion, also Methan, CO2, Lachgas und Fluorkohlenwasserstoff (wird in Kühlschränken zur Kühlung genutzt), umsonst produziert und emittiert sind, ist bedenklich. Hinzu kommt, dass der Müll der entsorgten Verpackungen schädlich für die Umwelt ist.

Die Industriestaaten entsorgen häufiger Lebensmittel als die Entwicklungsländer. Werden in Europa 209 Pfund (1 internationales Pfund = 0,45359237 kg) pro Kopf und Jahr an Lebensmitteln entsorgt, sind es in Afrika südlich der Sahara und in Süd- und Südost-Asien etwa 13 bis 24 Pfund. 

Schauen wir auf den Bereich der tierischen Lebensmittel, ergibt sich folgendes Bild: in Ländern wie z. B. China, Indien oder Afrika finden fast die Hälfte der Schweine nicht ihren Weg in die Lebensmittelproduktion. Die Gründe sind vielfältig, so wurde festgestellt, dass u. a. das Tierärztesystem dysfunktional, die Genetik schlecht und die Tierernährung unzureichend ist. Nach Schätzungen des Weltklimarates (IPCC) entstehen etwa 70 bis 80 Prozent der globalen Emissionsauswirkungen aus der Viehhaltung aufgrund von ineffizienten Produktionssystemen.

Lebensmittelverschwendung

Dabei lassen sich Lebensmittelabfälle relativ einfach reduzieren. Beispielsweise kann man Lebensmittel unverpackt und in den Mengen, wie sie lager- oder verwendbar sind, kaufen. Wurst und Fleischwaren können in einer Tupperdose oder Ähnlichem eingekauft werden. Dadurch werden nur die Mengen gekauft, die gegessen werden. Zusätzlich können über die Resteverwertung Lebensmittelabfälle reduziert werden. 

Eine weitere Möglichkeit, um die Lebensmittelverschwendung zu reduzieren, ist der Trend „Nose to Tail“. Hierbei werden alle Teile des geschlachteten Tieres von der Nase bis zum Schwanz verarbeitet. Inzwischen können Verbraucher:innen in Nose to Tail Restaurants den Trend ausprobieren. Neu ist die Verwertung des ganzen Tieres allerdings nicht, denn vor ein paar Jahrzehnten war es noch selbstverständlich, dass nicht nur die Edelteile wie Filet, Kotelett und Braten, sondern alle Teile einschließlich der Innereien für die Ernährung genutzt wurden.

Der Ansatz der Gesamtverwertung „Nose to Tail“ reduziert damit die Lebensmittelverschwendung in der menschlichen Ernährung und die Futtermittelverschwendung. Der Fleischexport von tierischen Nebenprodukten (Pfötchen oder Näschen) hilft dabei, den Nose-to-Tail-Ansatz zu erfüllen, denn so kann erreicht werden, ein geschlachtetes Tier nahezu komplett zu verwerten. Über eine alleinige Vermarktung in Deutschland wäre jenes nicht möglich, da wir vor allem die Edelteile des Tieres konsumieren. Eine weitere Möglichkeit, Lebensmittel nicht zu verschwenden, ist der Einkauf von bedarfsgerechten Mengen an Lebensmitteln, die wir als Verbraucher:innen verwerten können. Daneben ist die richtige Lagerung und Verwertung der Lebensmittel essentiell, um möglichst wenig „Food-Waste“ zu erzeugen.

Die Lebensmittelverschwendung stellt ein großes Problem dar. Aus verschiedenen Gründen werden Lebensmittel, die noch verzehr-tauglich sind, entsorgt. Beispielsweise landen Lebensmittel – aufgrund des überschrittenen Mindesthaltbarkeitsdatum oder einer Überproduktion – in der Mülltonne. Dies hat Folgen für die Umwelt. Einerseits werden Ressourcen und andererseits Emissionen, welche bei der Lebensmittelproduktion entstehen, verschwendet. Zusätzlich entstehen Emissionen durch die Verbrennung der Abfälle.

Möglichkeiten, um die Lebensmittelverschwendung zu reduzieren, gibt es einige. So wird beispielsweise bei „Nose to Tail“ das Tier von der Nase bis zum Schwanz verwertet. In der menschlichen Ernährung können zum Beispiel die Innereien oder die Nase gekocht und gegessen werden. 

Zusätzlich können alle Konsument:innen über ihr Kaufverhalten einen positiven Einfluss auf die Lebensmittelverschwendung nehmen. Werden nur die Mengen eingekauft, die auch gekocht und gegessen werden, reduziert jede:r den Lebensmittelabfall und trägt gleichzeitig zum Klimaschutz bei. Daneben ist die Resteverwertung eine Möglichkeit, weniger Lebensmittel zu entsorgen und Emissionen einzusparen.


Quellen:

BMEL: Lebensmittelabfälle in Deutschland: Aktuelle Zahlen zur Höhe der Lebensmittelabfälle nach Sektoren (Stand: 31.08.2022)

BR Fernsehen: From Nose to Tail: Warum es lohnt, restlos alles vom Rind zu verwenden | Unser Land (Stand: 24.08.2022)

BRS: Wege zur Klimaneutralität für die Rindfleisch- und Milchviehproduktion in den USA (Stand: 25.08.2022) 

CLEAR Center: The Carbon Impact of Food Waste: The Problem With What We’re NOT Eating (Stand: 25.08.2022) 

FAO: Global food losses and food waste – Extent, causes and prevention (Stand: 25.08.2022) 

FAO: Global food loss and waste (Stand: 25.08.2022) 

ifeu: Ernährungswende (Stand:28.09.2022) 

ifeu: Ökologische Fußabdrücke von Lebensmitteln und Gerichten in Deutschland (Stand: 28.09.2022) 

MPULSE: Nose to Tail: Vergessene Delikatessen erobern die Restaurants (Stand: 24.08.2022)

NCBI: Innovation in Food Production and Distribution to Reduce Environmental Footprint (Stand: 25.08.2022)

Proviande: Fleischkunde – Nose to Tail (Stand: 24.08.2022)

Statista: Wie groß würden Sie das Problem der Lebensmittelverschwendung hier im Land einschätzen? (Stand: 24.08.2022)

Statista: Das Ausmaß der weltweiten Lebensmittelverschwendung (Stand: 25.08.2022)

Sustainable Dish: Sustainable Dish Episode 202: Frank Mitloehner, PhD (Stand: 25.08.2022)

UBA: Lebensmittelabfälle (Stand: 28.09.2022)

UBA: Die Ernährungswende vorantreiben: Leitfaden für Ernährungsräte (Stand: 28.09.2022)

UBA: Ein Drittel der Lebensmittel wird verschwendet (Stand: 28.09.2022)

Verbraucherzentrale NRW: Ganztiernutzung („Nose To Tail“) – ein neuer Trend? (Stand: 24.08.2022)

ZEHN: Aktionswoche 2022 (Stand: 27.09.2022)

ZEHN: Niemand kocht gern für die Tonne (Stand: 28.09.2022)

zugutfuerdietonne: Citizen Science Projekt Deutschland rettet Lebensmittel (Stand: 27.09.2022)

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