Der Traum vom modernen Stall, der den Tieren gerecht wird und den Betrieb zukunftsfähig macht, wird für viele Landwirt:innen zur Herausforderung. Der Grund: Bürokratie.
In diesem Beitrag werfen wir einen Blick auf die bürokratischen Hürden beim Stallbau und zeigen auf, wie Landwirt:innen trotz dieser Hindernisse für Innovationen kämpfen.
Der Genehmigungsmarathon: Bürokratie als erster Stolperstein

Bevor der erste Spatenstich gemacht werden kann, müssen zahlreiche Genehmigungen eingeholt werden. Das Bauamt, das Umweltamt, das Veterinäramt und die Wasserbehörde, sie alle müssen zustimmen. Dieser bürokratische Prozess dauert Jahre und kostet nicht nur Zeit, sondern auch Geld und Nerven. Langsame Genehmigungen, hohe Kosten und politische Hürden sind zentrale Probleme beim tierwohlgerechten Stallbau. Wichtig ist zu wissen: Bei Ortschaften gibt es zumeist einen Bebauungsplan. Wenn sich z. B. das geplante Eigenheim dort einfügt, ist der Bauantrag relativ gut möglich. Landwirtschaftliche Betriebe sind immer in der Beweispflicht, dass das Bauvorhaben dem Betrieb dient und für diesen erforderlich ist.
Zentrales Dokument ist der Bauantrag:
- Offizielles Antragsformular
- Lageplan
- Bauzeichnung (Grundrisse und Ansichten)
- Baubeschreibung
- Betriebsbeschreibung
Neben den Fragen zu Statik und Brandschutz müssen bei Ställen zusätzlich Gutachten zu Emissionen und Umweltschutz erstellt werden. Es braucht ein Verwertungskonzept für den Wirtschaftsdünger sowie Niederschlagswasserbeseitigung. Außerdem muss die Verkehrsanbindung geklärt werden. Liegt der Standort in der Nähe von Schutzstandorten, sind Artenschutzgutachten zu bestimmten Tierarten, wie Fledermäusen, Vögeln etc., erforderlich.
Umwelt & Immissionsschutz
Ein zentraler Teil des Genehmigungsverfahrens ist der Immissionsschutz. Je nachdem, wie groß der Stall ist, braucht es eine Genehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG). Die 4. Verordnung zur Durchführung des BImSchG gibt genau vor, welche Tierhaltungsanlagen genehmigungsbedürftig sind.
Ab bestimmten Größenordnungen ist zusätzlich eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) notwendig. Dabei werden mögliche Auswirkungen auf Boden, Wasser, Luft, Klima und Artenvielfalt genau untersucht.
Zudem spielt die „TA Luft“ eine Rolle: Altanlagen müssen mitunter aufgerüstet werden, Abluft gereinigt werden, damit Emissionen wie Ammoniak reduziert werden. Und auch in den Bundesländern gibt es zusätzliche Regeln. In Thüringen z. B. regelt ein Erlass des Umweltministeriums, wie Geruchsemissionen bei Tierhaltungsanlagen zu behandeln sind.
Weitere Genehmigungen: Mehr Ämter, mehr Fragen
Neben dem Immissionsschutz kommen oft noch weitere Genehmigungsarten hinzu:
- Wasserrecht: Wenn der Stall in der Nähe von Gewässern steht, kann eine Genehmigung nach dem Wasserhaushaltsgesetz nötig sein.
- Baurecht: Das Bauamt prüft die Baupläne, den Standort, die Statik, den Zugang und die Gestaltung.
- Kommune & Nachbarn: Schon früh sollte der Betrieb das Gespräch mit der Gemeinde suchen. Laut Leitfäden lohnt sich ein „Vorgespräch“ mit den Behörden und auch mit Anwohner:innen, um spätere Zielkonflikte zu vermeiden.
Wer bezahlt die Gutachten und mit welchen Kosten ist zu rechnen
Sämtliche für das Genehmigungsverfahren nötigen Gutachten müssen in der Regel von Landwirt:innen bzw. Antragsteller:innen getragen werden. Wie hoch die Kosten ausfallen, hängt von der Stallgröße, der Tierzahl, der Komplexität des Standortes (z. B. Nähe zu Schutzgebieten), dem Umfang der Ausbau- und Genehmigungspflichten und dem erforderlichen Prüfaufwand ab. Nach Erfahrungswerten werden bei kleineren Prüfungen (z. B. einfache artenschutzrechtliche Bewertung) häufig Stundensätze veranschlagt; laut einer Fachquelle liegt der Stundensatz für Immissionsschutz-Gutachten bei etwa 132 €/Stunde (zzgl. MwSt. und Fahrtkosten).
Bei umfangreicheren Vorhaben mit mehreren Gutachten (z. B. Kombination aus Umwelt-, Luft-/Geruchs-, Emissions- und Artenschutzprüfung) können sich die Kosten schnell summieren. Gerade bei großen Stallanlagen oder komplexen Standortbedingungen ist mit deutlich höheren Beträgen zu rechnen.
Für Landwirt:innen heißt das, dass die reinen Baukosten für Stall- und Technik nur ein Teil der finanziellen Belastung sind. Ebenso relevant sind die Kosten für Gutachten und Genehmigungsverfahren.
Wie sich der Genehmigungsdschungel im Alltag auswirkt
Für Landwirt:innen bedeutet das konkret mehr Zeit, höhere Kosten und größere Unsicherheit.
Die Kosten für Planung und Anträge entstehen durch Architekt:innen, Gutachten und Expert:innen. Hinzu kommt der Druck durch die Finanzierung, denn es handelt sich um Millioneninvestitionen, lange Kredite und keine Garantie, dass alle Ämter zustimmen. Auch die eigene Psyche und Motivation leiden, weil die Bürokratie solcher Projekte, Kapazitäten bindet und mentale Belastung entsteht.
Der Wunsch nach einer tiergerechten Haltung steht im Mittelpunkt vieler Stallbauprojekte. Doch bürokratische Hürden erschweren die Umsetzung. Genehmigungen verzögern sich, Vorschriften sind unklar oder ändern sich kurzfristig. Das führt dazu, dass geplante Verbesserungen oft nicht realisiert werden können.
Politik, Reformen & die Hoffnung auf weniger Bürokratie
Um die Ernährungssicherheit zu gewährleisten, brauchen Landwirte Unterstützung und faire Rahmenbedingungen. Politische Maßnahmen wie der Abbau von Bürokratie entlasten die Betriebe und erleichtern ihren Alltag. Zudem hilft ein geringerer Aufwand an Bürokratie dabei, Ressourcen freizumachen, was sich mittelbar auch auf günstigere Lebensmittelpreise auswirken kann.
Auch die gesamte Ernährungswirtschaft benötigt Stabilität und Planungssicherheit, etwa durch verlässliche Energiepreise, Investitionen in Innovation und regionale Wertschöpfungsketten. Nur wenn alle Glieder der Lebensmittelkette, vom Acker bis zum Teller, gestärkt werden, bleibt das System als Ganzes resilient.

Fazit
Ein Stallbau ist ein komplexer Prozess, der neben der baulichen Planung viele rechtliche, finanzielle und organisatorische Aspekte umfasst. Genehmigungen, Umweltauflagen und diverse Anträge beeinflussen den Ablauf und erfordern sorgfältige Planung. Für Landwirt:innen bedeutet das Aufwand und ein Problem in Sachen Planungssicherheit. Viele Verbände fordern daher, den bürokratischen Aufwand zu verringern und eine Planungssicherheit zu gewährleisten.
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