Bio vs. Konventionell

Ein Blick in die ökologische Schweinehaltung

Die ökologische Schweinehaltung ist in Deutschland eine Nische. So beläuft sich die aktuelle Produktion von biologisch erzeugtem Schweinefleisch auf 29.900 t. Damit erreicht es gerade einmal 0,5 Prozent des Marktes.  Woran liegt das?

In erster Linie ist der Preis zu nennen, der kann bei Frischfleisch gerne mal das dreifache betragen. Da Fleisch bereits einen Anteil von etwa 23 Prozent an den gesamten Lebensmittelausgaben ausmacht, hat eine Preissteigerung deutliche Auswirkungen auf die Haushaltskasse.  Auch wenn ganze 50 Prozent der Käufer von Bioschweinefleisch im Lebensmitteleinzelhandel zugreifen, also im Rahmen ihrer üblichen Besorgungen, ist es nach wie vor Fleisch für „Überzeugungstäter*innen“.

Brauchen wir mehr Sch(w)eine?

Die enorme Preissteigerung liegt ganz einfach an den erhöhten Produktionskosten. Für die biologische Haltung ist Einstreu mit Stroh und meist auch Auslauf Pflicht. Beides erhöht den Arbeitsaufwand, die diese nicht zum Nulltarif leisten kann. Zusätzlicher Investitionsbedarf ist möglich, wenn ein Umbau für die Umstellung erforderlich ist. Generell muss teureres Biofutter eingesetzt werden, welches, und das ist Bedingung vieler Bioverbände, zur Hälfte selbst angebaut werden muss. Des Weiteren ist die Auswahl an Arznei- und Desinfektionsmitteln deutlich eingeschränkt.

Ein Aspekt der selten bedacht wird, aber dennoch einen Teil der Rechnung ausmacht: Geschlachtet werden die Tiere auf dieselbe Art und Weise wie konventionelle Schweine, jedoch ist der Aufwand im Nachgang höher. Bei der Schlachtung und bei der Verarbeitung müssen die beiden Produktionslinien eindeutig getrennt ablaufen – und das von der Schweinehälfte bis zur fertigen Wurst.

 

Alles Idylle im Ökobereich?

Ist Bio wirklich besser?

In Umfragen betont häufig ein Großteil der Konsumenten*innen möglichst oft und gezielt biologisch erzeugte Lebensmittel einzukaufen. Die Produkte geben dem*der Käufer*in ein gutes Gefühl und versprechen Umwelt- sowie Tierschutz. Doch was ist dran an der Vorstellung vom glücklichen Bioschwein auf der Weide und dem*der Biolandwirt*in, der*die jedes Tier mit Namen kennt?

Ein Blick in den Bioschweinestall

Fleisch aus ökologischer Haltung ist rund dreimal so teuer wie konventionell erzeugtes. Das hat natürlich seine Gründe. Die Tiere haben mehr Platz und zudem oft die Möglichkeit in einem Auslauf frische Luft zu schnuppern. Die Liegeflächen sind mit Stroh eingestreut und nur ein Teil des Stalls darf mit Spaltenboden versehen sein. Die Gesamtgröße der Betriebe ist weder für die ökologische Schweinehaltung noch für das Tierwohl ausschlaggebend. Auch in der biologischen Landwirtschaft gibt es Stallungen, in denen 2.000 Schweine oder mehr aufgestallt sind. Eine Zahl, die oft mit dem Begriff der „Massentierhaltung“ gleichgesetzt wird.

Bei Schweinehaltung auf Stroh gibt es einiges zu beachten!

Ausruhen auf kühlem Boden muss auch mal sein

Keine Eingriffe am Tier?

In der biologischen Tierhaltung, sowie in der konventionellen dürfen die Tiere mit Antibiotika behandelt werden. Der Unterschied: Ein erkranktes Bio-Mastschwein darf nur einmal im Leben Antibiotika verabreicht bekommen. Muss es mehrfach behandelt werden, darf das Fleisch nicht mehr als Biofleisch vermarktet werden. Dies bedeutet einen erheblichen Umsatzverlust für den*die Biolandwirt*in. Die Wartezeit, der Zeitraum von der letzten Behandlung bis zur möglichen Schlachtung, ist beim gleichen Medikament doppelt so lange wie im konventionellen Bereich. Impfungen und Parasitenbekämpfung generell erlaubt. In beiden Haltungsformen werden Medikamente nur dann verabreicht, wenn ein Tierarzt dies verordnet hat. Seit 2011 werden die abgegebenen Mengen von Arzneimitteln an Tierärzt*innen durch die Pharmazeutische Industrie erfasst. Die Daten werden gesammelt und durch das Bundesministerium für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit ausgewertet. Insbesondere auf Antibiotika wird großes Augenmerk gelegt.

Impfungen gehören zur Biohaltung dazu! Antibiotika dürfen nur einmal verabreicht werden

Bio besser als konventionell?

“Man kann nicht sagen, dass es Schweinen in der biologischen Schweinehaltung grundsätzlich besser geht als in der konventionellen”, sagt auch Elisabeth große Beilage, Professorin an der Tierärztlichen Hochschule Hannover und Fachtierärztin für Schweine in unserem Interview im März 2019. “Ökologisch wirtschaftende und konventionelle Halter können sich voneinander etwas abschauen. Aus beiden zusammen kann man eine ganz gute Tierhaltung machen.” Beide Haltungsformen nähern sich immer weiter an. Viele konventionelle Landwirt*innen bieten ihren Schweinen freiwillig mehr Platz und einen Auslauf, sowie viel unterschiedliches Beschäftigungsmaterial. Der Einsatz von Medikamenten ist auch hier in den letzten Jahren erheblich reduziert worden und alternative Heilmethoden wie Homöopathie zeigen ihre positive Wirkung.

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen der ökologischen und der konventionellen Haltung in der Praxis? Was genau macht eigentlich diesen kleinen aber feinen Unterschied aus? Geht es rein um eine tiergerechte Tierhaltung oder steckt mehr dahinter?

Auch wir haben uns diese Frage auch gestellt. Caro war für euch wieder „on Tour“ für einen Blick hinter die Kulissen. Es ging zum Landwirtschaftlichen Bildungszentrum Echem, denn dort finden sich die beiden Haltungssysteme unmittelbar nebeneinander.

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