Landwirtschaft Wertschöpfung

Bio vs Konventionell

Bio vs. konventionell – Was bedeutet Bio-Fleisch eigentlich?

Die EU-Öko-Verordnung (EU) 2018/848 legt verbindlich fest, unter welchen Bedingungen Fleisch als Bio-Fleisch verkauft werden darf. Sie bestimmt die Standards für Haltung und Fütterung und ist für alle Bio-Fleischprodukte in der EU verpflichtend. In der ökologischen Tierhaltung werden die Tiere nach den Vorgaben der EU-Öko-Verordnung möglichst artgerecht gehalten. Bio ist damit der höchste gesetzliche Standard der Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion.

Die Vorschriften bewirken, dass z.B. Rind, Schwein und Geflügel im Bio-Betrieb artgerecht gehalten werden. Mit der Öko-Verordnung wird auch dafür gesorgt, dass nur so viele Tiere auf die Landwirtschaftsflächen gelangen, wie Boden und Grundwasser vertragen. Die Tiere erhalten Bio-Futter – gentechnikfrei und ohne chemisch-synthetische Pestizide oder Kunstdünger angebaut.

Die ökologische Schweinehaltung ist in Deutschland eine Nische. So beläuft sich die aktuelle Produktion von biologisch erzeugtem Schweinefleisch auf 29.900 t. Damit erreicht es gerade einmal 0,5 Prozent des Marktes. Woran liegt das? Im Vergleich Bio vs. konventionell stellen wir uns unter anderem diese Frage.

Bio-Fleisch in Zahlen

Der Marktanteil von Bio-Fleisch insgesamt lag 2022 in Deutschland nur bei 3,9 Prozent. Bei Schweinefleisch aus ökologischer Landwirtschaft liegt der Anteil sogar nur bei 0,8 Prozent, bei Geflügel sind es 1,6 Prozent und bei Rindfleisch 6,9 Prozent. Im Jahr 2023 wurden in Deutschland etwa 375.000 Tiere aus ökologischer Haltung geschlachtet. Die ökologische Landwirtschaft in Deutschland hat 2022 rund 137.000 Tonnen Fleisch produziert – das sind über 70 Prozent mehr als noch zehn Jahre zuvor.

In erster Linie ist der Preis zu nennen, der kann bei Frischfleisch gerne mal das dreifache betragen. Da Fleisch bereits einen Anteil von etwa 23 Prozent an den gesamten Lebensmittelausgaben ausmacht, hat eine Preissteigerung deutliche Auswirkungen auf die Haushaltskasse. Auch wenn ganze 50 Prozent der Käufer von Bioschweinefleisch im Lebensmitteleinzelhandel zugreifen, also im Rahmen ihrer üblichen Besorgungen, ist es nach wie vor Fleisch für „Überzeugungstäter:innen“.

Brauchen wir mehr Sch(w)eine?

Die enorme Preissteigerung liegt ganz einfach an den erhöhten Produktionskosten. Für die biologische Haltung ist Einstreu mit Stroh und meist auch Auslauf Pflicht. Beides erhöht den Arbeitsaufwand, die diese nicht zum Nulltarif leisten kann. Zusätzlicher Investitionsbedarf ist möglich, wenn ein Umbau für die Umstellung erforderlich ist. Generell muss teureres Biofutter eingesetzt werden, welches, und das ist Bedingung vieler Bioverbände, zur Hälfte selbst angebaut werden muss. Des Weiteren ist die Auswahl an Arznei- und Desinfektionsmitteln deutlich eingeschränkt.

Bio vs konventionell Schweinehaltung

Bio vs. konventionell Schweinehaltung

Ein Aspekt der selten bedacht wird, aber dennoch einen Teil der Rechnung ausmacht: Geschlachtet werden die Tiere auf dieselbe Art und Weise wie konventionelle Schweine, jedoch ist der Aufwand im Nachgang höher. Bei der Schlachtung und bei der Verarbeitung müssen die beiden Produktionslinien eindeutig getrennt ablaufen – und das von der Schweinehälfte bis zur fertigen Wurst.

Konventionelle Tierhaltung: Effizienz trifft auf Tierschutz

Bio vs konventionell Schweinehaltung
Ist Bio wirklich besser?

In der konventionellen Schweinehaltung in Deutschland gelten die Mindestanforderungen des Tierschutzgesetzes (TierSchG) und der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (TierSchNutztV). Diese setzen die EU-Richtlinien zur Haltung von Schweinen um. Die Mindestanforderungen an das Platzangebot richten sich nach dem Gewicht des Schweins. So muss beispielsweise einem Mastschwein mit 50-110 kg Körpergewicht mindestens 0,75 m² Platz zur Verfügung stehen.

Der Boden einer konventionellen Haltungseinrichtung muss im ganzen Aufenthaltsbereich rutschfest und trittsicher sein. Häufig wird Spaltenboden verwendet, der bestimmte Auftrittsbreiten und Spaltenweiten einhalten muss. Hinzu kommt, dass in Deutschland Grenzwerte für Gaskonzentrationen in der Schweinehaltung vorgeschrieben werden: Je m³ Luft dürfen nicht mehr als 20 cm³ Ammoniak, 3.000 cm³ Kohlendioxid und 5 cm³ Schwefelwasserstoff vorhanden sein.

Auch bei der Beleuchtung gibt es Vorgaben, so müssen in der Regel die Ställe mit Flächen ausgestattet sein, durch die Tageslicht einfallen kann, die in der Gesamtgröße mindestens 3 % der Stallgrundfläche entsprechen. Zudem muss bei einer künstlichen Beleuchtung diese im Aufenthaltsbereich der Schweine eine Stärke von mindestens 80 Lux haben.

Bio-Tierhaltung: Mehr Platz, mehr Auslauf, mehr Tierwohl

In der ökologischen Schweinehaltung ist der Zugang zu Tageslicht, einer natürlichen Belüftung, zu einem Auslauf und zu eingestreute Ruhe- und Liegeflächen vorgeschrieben. Außerdem muss das Futter von Bio-Betrieben stammen. Die Tiere haben mehr Platz – in der Bio-Haltung muss einem Mastschwein mit 50-110 kg Körpergewicht mindestens 1,3 m² Stallfläche plus 1,0 m² Auslauffläche zur Verfügung stehen. Die Liegeflächen sind mit Stroh eingestreut und nur ein Teil des Stalls darf mit Spaltenboden versehen sein.

Die Gesamtgröße der Betriebe ist weder für die ökologische Schweinehaltung noch für das Tierwohl ausschlaggebend. Auch in der biologischen Landwirtschaft gibt es Stallungen, in denen 2.000 Schweine oder mehr aufgestallt sind. Eine Zahl, die oft mit dem Begriff der „Massentierhaltung“ gleichgesetzt wird.

Alles Idylle im Ökobereich? Ist Bio wirklich besser?

In Umfragen betont häufig ein Großteil der Konsumenten:innen möglichst oft und gezielt biologisch erzeugte Lebensmittel einzukaufen. Die Produkte geben dem:der Käuferin ein gutes Gefühl und versprechen Umwelt- sowie Tierschutz. Doch was ist dran an der Vorstellung vom glücklichen Bioschwein auf der Weide und dem:der Biolandwirt:in, der:die jedes Tier mit Namen kennt?

Schweinehaltung auf Stroh
Bei Schweinehaltung auf Stroh gibt es einiges zu beachten!
Ausruhen in der Schweinehaltung
Ausruhen auf kühlem Boden muss auch mal sein

Bio-Fleisch und Antibiotika: Strenge Regeln für den Ernstfall

In der biologischen Tierhaltung, sowie in der konventionellen dürfen die Tiere mit Antibiotika behandelt werden. Der Unterschied: Ein erkranktes Bio-Mastschwein darf nur einmal im Leben Antibiotika verabreicht bekommen. Muss es mehrfach behandelt werden, darf das Fleisch nicht mehr als Biofleisch vermarktet werden. Dies bedeutet einen erheblichen Umsatzverlust für den:die Biolandwirt:in. Die Wartezeit, der Zeitraum von der letzten Behandlung bis zur möglichen Schlachtung, ist beim gleichen Medikament doppelt so lange wie im konventionellen Bereich. Impfungen und Parasitenbekämpfung sind generell erlaubt.

Impfung Schwein
Impfungen gehören zur Biohaltung dazu! Antibiotika dürfen nur einmal verabreicht werden

Bei Bio-Produkten sind Antibiotika und resistente Keime deutlich seltener nachweisbar als bei konventionellen Produkten. In der industriellen Massentierhaltung kommen regelmäßig Antibiotika zum Einsatz. So erhalten 85 von 100 Hähnchen während der Mast Antibiotika, oftmals sogar mehrere Wirkstoffe. Dabei ist die Regel: je häufiger Antibiotika eingesetzt werden, desto wahrscheinlicher treten Resistenzen auf.

In beiden Haltungsformen werden Medikamente nur dann verabreicht, wenn ein Tierarzt dies verordnet hat. Seit 2011 werden die abgegebenen Mengen von Arzneimitteln an Tierärzt:innen durch die Pharmazeutische Industrie erfasst. Die Daten werden gesammelt und durch das Bundesministerium für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit ausgewertet. Insbesondere auf Antibiotika wird großes Augenmerk gelegt.

Bio vs. konventionell – was ist besser?

„Man kann nicht sagen, dass es Schweinen in der biologischen Schweinehaltung grundsätzlich besser geht als in der konventionellen“, sagt auch Elisabeth große Beilage, Professorin an der Tierärztlichen Hochschule Hannover und Fachtierärztin für Schweine in unserem Interview im März 2019. „Ökologisch wirtschaftende und konventionelle Halter können sich voneinander etwas abschauen. Aus beiden zusammen kann man eine ganz gute Tierhaltung machen.“ Beide Haltungsformen nähern sich immer weiter an. Viele konventionelle Landwirt*innen bieten ihren Schweinen freiwillig mehr Platz und einen Auslauf, sowie viel unterschiedliches Beschäftigungsmaterial. Der Einsatz von Medikamenten ist auch hier in den letzten Jahren erheblich reduziert worden und alternative Heilmethoden wie Homöopathie zeigen ihre positive Wirkung.

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Was ist eigentlich der Unterschied zwischen der ökologischen und der konventionellen Haltung in der Praxis? Was genau macht eigentlich diesen kleinen aber feinen Unterschied aus? Geht es rein um eine tiergerechte Tierhaltung oder steckt mehr dahinter?

Auch wir haben uns diese Frage auch gestellt. Caro war für euch wieder „on Tour“ für einen Blick hinter die Kulissen. Es ging zum Landwirtschaftlichen Bildungszentrum Echem, denn dort finden sich die beiden Haltungssysteme unmittelbar nebeneinander.


BMEL-Statistik (2023): Ökologische Tierhaltung in Deutschland (Stand: 24.11.2025)

BÖLW (2024): Branchenreport 2024 (Stand: 24.11.2025)

BÖLW (2024): EU-Öko-Verordnung Tierhaltung (Stand: 24.11.2025)

Deutsche Umwelthilfe (2015): Antibiotika in der Massentierhaltung (Stand: 24.11.2025)

Deutscher Bundestag (2019): Gesetzlicher Mindeststandard in der Nutztierhaltung in Deutschland (Stand: 24.11.2025)

IW Köln (2025): Fleischpreise und Bio-Anteil (Stand: 24.11.2025)

Kompetenzzentrum ökologischer Landbau Rheinland-Pfalz (2024): Ökologische Schweinehaltung – KÖL-Merkblatt Nr. 11 (Stand: 24.11.2025)

Ökolandbau.de (2024): Bio-Schweinehaltung – was muss beachtet werden? (Stand: 24.11.2025)

Ökolandbau.de (2024): Ökologische Tierhaltung (Stand: 24.11.2025)

Ökolandbau.de (2024): Welches Potenzial hat der Bio-Schweinemarkt? (Stand: 24.11.2025)

Statista (2024): Wie bio ist unser Fleisch? (Stand: 24.11.2025)

Verbraucherzentrale (2023): Antibiotika und resistente Keime: Bei Bio-Produkten deutlich seltener (Stand: 24.11.2025)

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