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Interview

Tierwohl im Schlachthof - Wo geht die Reise hin?

Nico Brand (c) Timo Lutz Werbefotografie
Nico Brand (Foto von:Timo Lutz Werbefotografie)

Die tierhaltende Landwirtschaft befindet sich in einem Wandel. Wie dieser aussieht und welche Herausforderungen er mit sich bringt erläutert Niko Brand in diesem Interview. 

Nico ist der 35 Jahre junge Geschäftsführer von Brand Qualitätsfleisch. Er ist in seinen jungen Jahren bereits in vierter Generation Inhaber des Schlacht- und Zerlege Betriebes. Innovationen, Kundenzufriedenheit und Qualität stehen im Mittelpunkt von Niko und seinem Team.

Um mehr über Niko und Brand Qualitätsfleisch zu erfahren, schaut einfach unter: https://brand-lohne.de/ 

Thema Schlachtung und Haltungsformen- in eurer Schlachtung werden alle Tiere von allen Haltungsformen zusammen geschlachtet?

Ja, wir schlachten hier Haltungsformen 0 bis 6, also alles, was es bisher gibt. Dabei machen wir auch keine Unterschiede zwischen den Haltungsformen. Im Wartebereich haben die einen Tiere aus den höheren Haltungsformen ein bisschen mehr Platz als die Tiere aus den niedrigeren Haltungsformen.

Wird sich in Zukunft noch viel ändern beim Schlachtprozess oder hat sich da bereits viel geändert?

Technologisch ändert sich im Sinne von Robotik und Automatisierung viel. Chargenrückverfolgbarkeit ist für uns als Unternehmen ein großes Thema, weil wir kleinchargig unterwegs sind.

Durch den Fachkräftemangel passiert auch einiges und das muss es auch. Die Personalkosten steigen, zudem gibt es Schwierigkeiten, Fachleute zu bekommen und die Tierschutz-Anforderungen werden immer höher. Es sind  viele kleine Herausforderungen, die jedes Unternehmen für sich zu stemmen hat. Dabei ist vor allem die Personalbeschaffung ein sehr großes Thema in unserer Branche.

Nico Brand (c) Timo Lutz Werbefotografie

Meinst du, dass die Moral der Verbraucher:innen, an der Ladentheke aufhört? Oder wird ein Umdenken stattfinden, dass zum Beispiel ein Urlaub im Jahr gestrichen wird und dafür mehr für Ernährung ausgegeben wird?

Es wird schwierig sein, das generelle Verhalten eines deutschen Konsumenten so zu verändern, dass er Lebensmittel anders priorisiert als beispielsweise seinen Urlaub. Das wird noch Jahrzehnte dauern, aber die nachwachsenden Generationen werden eine andere Wertigkeit für Lebensmittel haben und vielleicht auch mit einem anderen Fleischkonsum groß werden. Damit wird auch das Thema Vertrauen in Produkte wieder ganz anders priorisiert. Gar nicht im Sinne von Food Safety oder anderen Themen, sondern mehr in Richtung Marken, weil der Konsument letztendlich ein Stück Vertrauen in ein Produkt hat und zudem ein Wiedererkennungswert oder auch Identifikation vorhanden ist. Es wird sich in diesem Punkt noch eine Menge wandeln.

Wie reagiert ihr auf solche Veränderungen? Wollt ihr dann in eurer Strategie Brandqualitätsfleisch mehr herausarbeiten?

Nein, das nicht. Wir sind quasi nur der Hub, der Verbindungspunkt, der dafür sorgt, dass überhaupt Wertschöpfungsketten zusammenkommen. Wir sind diejenigen, die die richtigen Landwirte mit den richtigen Kunden verbinden und daraus Wertschöpfungsketten bauen. Wir bauen auch für den einen und anderen Kunden kleinere und eigenständige Marken. Aber gerade die größeren Kunden, wie beispielsweise Nestlé oder ähnliche Firmen werden nicht auf das Marketing von Brand Qualitätsfleisch aufsatteln. Letztendlich ist es viel wichtiger, dass sie überhaupt die Möglichkeit haben, eine geschlossene Wertschöpfungskette darstellen zu können.

Erzähl uns doch mal was über Brand Meat Excellence Initiative!

Wir haben vor weit über zehn Jahren mit der Initiative angefangen. Damals kam das Unternehmen Handelshof auf uns zu und hat nach einem besonderen Schwein oder einem besonderen Stück Fleisch gesucht, welches geschmacklich und beim Tierwohl die höchsten Ansprüche erfüllt. Das war und ist ein sehr spannendes Projekt. Wir arbeiten immer noch eng und gut zusammen und bauen das Projekt zurzeit aus. 

Wir haben viele Landwirte besucht und Erfahrungen in der Landwirtschaft sammeln dürfen. Dies war meine Initialzündung, welche mich wieder mit Landwirtschaft in Verbindung gebracht hat. Davor habe ich Maschinenbau studiert und eine geringere Verbindung zur Landwirtschaft gehabt. 

Auf einem unserer Partner- Höfe werden Berkshire Ebern in Reinzucht gezüchtet, der einzige Genpool, den es in Holland von diesen Tieren gibt. Von diesem Hof kaufen wir die Eber. Diese gehen dann zu einem Outdoor-Sauen Betrieb, der mit 250 Sauen ganzjährig Outdoor-Ferkel für uns produziert. Die Ferkel kommen zur Mast in unseren Offenstall.
Bei uns werden die Schweine geschlachtet, um dann von einem kleineren Zerleger zerlegt und im Handelshof vermarktet zu werden. Also eine relativ lange und komplexe Wertschöpfungskette. Diese lange Wertschöpfungskette hat gezeigt, was sie an Positivem mit sich bringt. Danach sind relativ schnell viele weitere Wertschöpfungsketten entstanden. 

Wir haben angefangen mit den Bunten Bentheimer Schweinen und mit der Aktivstall-Vermarktung. Irgendwann haben wir das Unternehmen Bedford getroffen, welches in Osnabrück sitzt und hochwertige Wurst und Schinken Artikel herstellt. Zusammen haben wir Landwirte besucht und festgestellt, dass die Offenstallhaltung gefördert werden muss. Eigentlich ist die Offenstallhaltung eine uralte Form der Haltung von Schweinen, aber sie ist fast in Vergessenheit geraten. Wenn wir einen Wandel hinkriegen wollen, müssen wir die Landwirte dabei unterstützen, die sich mit dem Thema Offenstallhaltung auseinandersetzen. Zudem war zu der Zeit unserer Hofbesuche gerade die Gründung der Initiative Tierwohl. Es ging in den Anfangsschritten um Standardisierung von Tierwohl. Das hat uns dazu bewegt, den gemeinsamen Verein zu gründen.

Wie heißt der Verein?

Der Verein heißt Offenstall.com 

Als wir mit dem Verein gestartet haben, hatte ich ungefähr 20 Flyer von allen möglichen Programmen und Wertschöpfungsketten dabei. Ist man zu einem Kunden gefahren und wollte erklären, was man alles kann und macht, waren die Flyer unpraktisch. Aus diesem Grund haben wir den Internetauftritt gestartet. Dieser ist aufgeteilt in Brand Qualitätsfleisch und Meat.Excellence, welche als Dachmarken unsere Programme bündeln. Inzwischen ist es eine große Aufgabe von uns geworden. Denn wir bewerkstelligen sehr viele, inzwischen auch sehr komplexe Projekte und haben ein ganzes Netzwerk an Landwirten. 

Sollte zum Beispiel morgen VW anrufen und für eine neue Currywurst Fleisch aus der Haltungsform 4 oder CO2-neutrales Fleisch benötigen, dann sind wir ein guter Ansprechpartner, der verstanden hat, wie Wertschöpfungsketten zusammenkommen, wie man solche Wertschöpfungsketten weiterentwickeln kann und wie passende Landwirte für das entsprechende Projekt gefunden werden.

Was sind deine Visionen für die Zukunft für Brand?

Ich erhoffe mir, dass wir weniger hohe Stückzahlen schlachten, aber uns als Firma Brand nichts ausmacht, weil es auf einem gesunden Niveau weitergeht. 

Wir sind viel tiefer in unserer Wertschöpfungskette verwurzelt, in beide Richtungen. Wir haben einen wesentlich höheren Anteil an Programmen und nicht nur im Tierwohlbereich. Viele andere Attribute kommen dazu, bei denen wir großartige Aussagen über das Endprodukt Fleisch oder Wurst treffen können. Letztendlich haben wir hoffentlich eine gefestigte Mannschaft, mit der wir es schaffen, jeden Tag ein bisschen besser zu werden. Wichtig ist, dass das Thema Qualität wieder als primäres Ziel in den Vordergrund gestellt wird.

Findest du, dass die Fleischbranche mehr Selbstreflexion braucht oder ist die Branche bereits reflektiert?

Es gibt sicherlich viele gute Unternehmen, die das Thema Reflexion beherrschen und die durchaus noch ein bisschen lauter auftreten könnten. Es gibt sehr viele positive Beispiele in unserer Branche, die einen großartigen Job machen, die sich als Unternehmen, aber auch als Marke gut weiterentwickelt haben. Daher glaube ich, dass es sehr viele Leuchttürme gibt. Aber es gibt sicherlich auch noch das ein oder andere schwarze Schaf. 

Meinst du, Frauen agieren da ein bisschen anders als Männer in der Branche?

Ich würde das gar nicht vom Geschlecht abhängig machen, aber wir haben viele großartige Projekte, auch mit Frauen in Führungspositionen, wie zum Beispiel mit Gabi Mörixmann oder Sarah Dehm. Aber es gibt natürlich auch fantastische Männer. Da würde ich nicht nach Mann oder Frau unterscheiden, sondern eher nach denen, die den Wandel proaktiv begleiten und denen, die bei dem bleiben, was sie bisher gemacht haben. Das ist auch in Ordnung, denn es ist nichts Schlechtes daran, wie wir es vor 10 Jahren gemacht haben. Aber es ist die Frage, ob wir damit den Ansprüchen der zukünftigen Verbraucher gerecht werden.

Nun zu dir! Was ist denn dein Lieblingsessen? Wie oft ist zu Fleisch?

Wenn man einen Arzt fragen würde, wahrscheinlich zu oft. Aber wenn nicht ich, wer dann? Und wir dürfen auch hier immer gerne das ein oder andere gute Stück Fleisch probieren. Da wir an der Quelle sitzen, gibt es mittags gerne ein Stück Fleisch. Am Wochenende grillen wir viel und gerne, ob es dann Rippchen sind oder Pulled Pork. 

Amerikanische Gerichte esse ich in letzter Zeit viel und gerne. Ich probiere gerne neue Dinge aus. Auf meinen vielen Reisen ins Ausland habe ich viele leckere Gerichte kennenlernen dürfen. Ob ich unbedingt die Schweinepfote zu den Favoriten zählen muss, weiß ich auch nicht. Aber der chinesische Schweinebauch steht ganz oben auf der Favoritenliste. Ich glaube, die Abwechslung macht es bei mir.

Vielen Dank für das Interview

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